Rom als neues Ziel wurde von Remus (= Gottlieb) bereits kurz nach unserer erfolgreichen Wienfahrt im Jahr 2010 angesprochen. Anscheinend hatte er das Gefühl, dass wir mit der Wienfahrt unsere Grenzen noch nicht wirklich ausgelotet hatten. Aufgrund meiner (= Andreas alias Romulus) bald darauf folgenden, vermeintlichen Sportler-Frühpension, schlief der Gedanke aber vorerst wieder ein.
Letztes Jahr begann ich mich dann für Liegeräder zu interessieren, kaufte ein gebrauchtes Challenge Hurricane und war begeistert von der bequemen, rücken- und nackenschonenden und trotzdem schnellen Position auf dem Lieger. Ich begann zu überlegen, wie ein optimiertes Liegerad aussehen müsste und baute erst einen, noch ziemlich wackligen, dann einen zweiten, schon sehr gut funktionierenden Holzlieger, der das ganze Jahr über brav seine Alltagsdienste verrichtete. Zwischendurch unternahm ich damit auch schon die eine oder andere recht sportliche, längere Ausfahrt, und so mancher Rennradfahrer machte große Augen, wenn er von mir auf dem schweren Massivholzbock überholt wurde.
Remus zeigte sich alsbald interessiert und begann seine fantastischen technischen Fähigkeiten in eine neue Planung einzubringen. Leicht und trotzdem stabil mussten die neuen Rennlieger werden, optisch vom Feinsten und möglichst den besten kommerziellen Produkten das Wasser reichen.
Monatelang wurde getüftelt, geplant und gebaut, immer neue Feinheiten kamen dazu. Ich degradierte zum Handlanger, stand oft wie ein müdes Pferd mit hängender Unterlippe neben dem nimmermüden Remus, der die Nacht zum (zusätzlichen) Arbeitstag machte und Wochenenden ignorierte.
Schlussendlich standen da zwei wunderschöne, allen sportlichen Belastungen gewachsene Prototypen, der eine (meine) mit exotischem Vorderradantrieb (Romulus) und der andere mit solidem Hinterradantrieb (Remus). Neben den - in die Sitze integrierten - Kofferräumen (aufgrund ihrer Form von uns liebevoll Mailbox genannt) bekamen die Highracer sogar noch eigens von Remus entworfene und geschneiderte, die Aerodynamik zusätzlich verbessernde Gepäcktaschen.
Neben all dem Schuften durfte natürlich das Training nicht zu kurz kommen. Ich kam dabei von Ende März bis Ende Juni auf 5500 km, Remus - trotz seiner endlos vielen beruflichen und privaten Arbeitsstunden - immerhin noch auf stattliche 4500. Beide unternahmen wir im Zuge unserer Vorbereitung, unabhängig voneinander, einige lange (zwischen 250 und 350 km), mit ordentlich Höhenmetern gespickte Tages- bzw. Nachttouren, die uns einen Vorgeschmack auf das gaben, was wir vorhatten.